Die Börse hört sich erstmal ganz schön kompliziert an, oder? Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, kommen gleich Begriffe wie Aktien, Depot und Broker, schon kommt es einem vor, als müsste man eine neue Sprache lernen.
Aber keine Sorge, die Grundlagen kann man super nach und nach erklären. Du brauchst dafür weder ein Wirtschaftswissenschaften-Studium noch musst du dich täglich mit Börsenmeldungen rumschlagen. Es geht erstmal nur darum, zu kapieren, was du eigentlich kaufen kannst, wie so ein Kauf abläuft und welche Risiken dabei auf dich zukommen könnten.
Was ist die Börse genau?
Die Börse ist sozusagen ein geordneter Marktplatz. Hier werden Kauf- und Verkaufsaufträge zusammengebracht, sei es für Aktien oder Fondsanteile. Heutzutage läuft ein großer Teil des Handels übrigens komplett elektronisch ab.
Stell dir das einfach mal wie einen Marktplatz vor: Auf der einen Seite will jemand etwas loswerden, auf der anderen gibt es jemanden, der daran interessiert ist. Damit das Geschäft auch zustande kommt, müssen Preis und alle weiteren Bedingungen passen.
An der Börse kaufst du keine Lebensmittel oder Möbel, sondern zum Beispiel Anteile an einer Firma. Dafür gibt es feste Regeln, die den Handel verständlich machen. Diese Regeln schützen dich aber nicht vor Verlusten.
Was ist eigentlich eine Aktie?
Eine Aktie ist quasi ein kleines Stückchen einer Firma. Wenn du eine kaufst, wirst du damit Miteigentümer, meistens allerdings nur mit einem ganz kleinen Anteil.
Stell dir vor: Eine Firma ist in eine Million gleiche Aktien aufgeteilt, und du besitzt zehn davon. Dann gehören dir zehn Millionstel dieser Firma.
Das bedeutet nicht, dass dir direkt ein bestimmter Schreibtisch oder ein Teil der Fabrik gehört. Dein Anteil zeigt sich in den Rechten, die mit den Aktien verbunden sind. Dazu gehört zum Beispiel ein Stimmrecht bei der Hauptversammlung oder die Möglichkeit, an einer Gewinnausschüttung teilzuhaben, wenn die Firma beschließt, Geld an ihre Aktionäre auszuzahlen. Welche Rechte genau dazugehören, hängt von der Art der Aktie ab.
Für Anleger sind vor allem zwei Dinge interessant:
- Kursgewinne: Du verkaufst deine Aktie teurer, als du sie gekauft hast.
- Dividenden: Das Unternehmen schüttet Geld an seine Aktionäre aus.
Aber Achtung: Beides ist unsicher! Der Kurs einer Aktie kann auch fallen, und nicht jede Firma zahlt überhaupt Dividenden. Selbst wenn eine Dividende bisher regelmäßig gezahlt wurde, kann sie gekürzt werden oder sogar ganz ausfallen.
Wohin geht dein Geld, wenn du Aktien kaufst?
Wenn du an der Börse Aktien kaufst, die schon existieren, dann fließt dein Geld normalerweise an denjenigen, der die Aktien vorher besessen hat. Die Firma selbst bekommt dieses Geld nicht jedes Mal, wenn eine Aktie gehandelt wird.
Das ist anders, wenn eine Firma neue Aktien ausgibt, um frisches Kapital einzusammeln. Das kann zum Beispiel bei einem Börsengang passieren oder wenn die Firma später ihr Kapital erhöhen möchte.
Diese Unterscheidung ist wichtig, um den Börsenhandel besser zu verstehen: Oft werden einfach bestehende Unternehmensanteile von einem Anleger zum anderen weiterverkauft.
Was ist ein Aktienkurs?
Der Aktienkurs ist der Preis, zu dem eine Aktie an einem bestimmten Handelsplatz gerade gehandelt wird.
Dieser Preis entsteht durch das Zusammenspiel von Kauf- und Verkaufsaufträgen. Diese Aufträge werden in einem sogenannten Orderbuch gesammelt und gegenübergestellt. Dabei ist entscheidend, zu welchen Preisen Käufer bereit sind zu kaufen und Verkäufer bereit sind zu verkaufen.
Wenn Anleger zum Beispiel erwarten, dass ein Unternehmen in Zukunft gute Geschäfte machen wird, sind sie vielleicht bereit, höhere Preise zu zahlen. Wenn die Aussichten eher schlecht eingeschätzt werden, können die angebotenen Preise sinken.
Der Kurs ist also kein festes Preisschild, das die Firma selbst beliebig festlegen kann.
Warum schwanken Aktienkurse?
Anleger bewerten Unternehmen und ihre Zukunftsaussichten ganz unterschiedlich. Neue Informationen können diese Einschätzungen schnell ändern.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Geschäftszahlen und Gewinnerwartungen
- Neue Produkte oder wichtige Aufträge
- Zinsen und die allgemeine Wirtschaftslage
- Politische Ereignisse und Krisen
- Die allgemeine Stimmung und Erwartungen am Markt
Die Börse reagiert dabei nicht nur auf das, was gerade passiert, sondern auch auf das, was in Zukunft erwartet wird. Deshalb kann es passieren, dass selbst gute Geschäftszahlen von fallenden Kursen begleitet werden, wenn die Anleger eigentlich noch bessere Ergebnisse erwartet hatten.
Ein fallender Kurs bedeutet also nicht automatisch, dass ein Unternehmen plötzlich schlecht ist. Und umgekehrt beweist ein steigender Kurs nicht, dass eine Aktie zu jedem Preis ein Schnäppchen wäre.
Ein einfaches Beispiel für Gewinn und Verlust
Du kaufst zehn Aktien für je 50 Euro. Dein Einsatz beträgt also 500 Euro.
Später steigt der Kurs auf 60 Euro pro Aktie. Deine zehn Aktien sind dann rechnerisch 600 Euro wert. Verkaufst du sie zu diesem Preis, hast du vor Abzug von Kosten und möglichen Steuern 100 Euro Kursgewinn gemacht.
Geht der Kurs dagegen auf 40 Euro runter, ist dein Bestand nur noch 400 Euro wert. Wenn du dann verkaufst, machst du 100 Euro Verlust, ebenfalls vor Kosten.
Wichtig ist: Dein Depotwert ändert sich auch, wenn du die Aktien nicht verkaufst. Ein Verlust ist nicht weg, nur weil du die Papiere behältst. Und niemand kann dir garantieren, dass der Kurs wieder steigt.
Die genannten Zahlen sind nur Beispiele, keine Vorhersagen!
Was ist eigentlich ein Depot?
Stell dir ein Depot wie ein Bankschließfach für deine Wertpapiere vor. Dort werden deine Wertpapiere verwahrt und deine Bestände geführt. Du eröffnest es bei einer Bank oder einem Online-Broker.
In deinem Depot siehst du dann ganz übersichtlich:
- Welche Wertpapiere du besitzt
- Wie viele Anteile du davon hast
- Was diese aktuell wert sind
- Welche Käufe und Verkäufe du schon getätigt hast
Meistens gehört zum Depot auch ein Verrechnungskonto. Über dieses Konto laufen alle Zahlungen, egal ob du etwas kaufst oder verkaufst oder Dividenden ausgezahlt bekommst.
Kurz gesagt: Im Depot liegen deine Wertpapiere, und über das Verrechnungskonto fließt das Geld.
Deine Wertpapiere werden für dich verwahrt, aber sie fallen nicht unter die Einlagensicherung wie dein normales Bankguthaben. Falls deine Depotbank pleitegeht, hast du aber grundsätzlich das Recht, deine Wertpapiere zurückzubekommen oder auf eine andere Bank übertragen zu lassen. Das schützt dich aber nicht vor sinkenden Kursen oder wenn das Unternehmen, dessen Aktien du hast, insolvent wird.
Was macht ein Broker genau?
Ein Broker ist quasi dein Zugang zur Börse. Über seine Webseite oder App kannst du ganz einfach Kauf- und Verkaufsaufträge eingeben. Übrigens können auch ganz normale Banken diese Broker-Dienste anbieten.
Der Broker sucht dir aber nicht automatisch die „richtige“ Anlage raus. Wenn du dein Depot selbst führst, entscheidest du auch selbst, welche Aufträge du erteilst.
Dabei können natürlich Gebühren anfallen, zum Beispiel für jede Order, für die Depotführung oder für bestimmte Handelsplätze. Und manchmal gibt es einen kleinen Unterschied zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis, das nennt man Spread.
Deshalb heißt ein Angebot ohne ausgewiesene Ordergebühr nicht automatisch, dass der Handel komplett kostenlos ist!
Wie läuft ein Aktienkauf ab?
Ein typischer Aktienkauf ist eigentlich ganz einfach und lässt sich in ein paar Schritte unterteilen:
- Wertpapier auswählen: Überlege genau, welches Unternehmen und welche Aktienart du wirklich kaufen möchtest. Mit Kennnummern wie ISIN oder WKN kannst du das Wertpapier eindeutig identifizieren.
- Stückzahl festlegen: Entscheide, wie viele Aktien du kaufen willst und wie viel Geld du dafür ausgeben möchtest.
- Handelsplatz und Kosten checken: Schau dir die angezeigten Preise, Gebühren und Handelsbedingungen genau an.
- Auftragsart wählen: Hier kannst du zum Beispiel ein Preislimit setzen.
- Auftrag prüfen und abschicken: Kontrolliere noch einmal alles: Wertpapier, Stückzahl, dein Preislimit und die Gesamtkosten.
- Ausführung und Abrechnung kontrollieren: Denk dran: Erst ein wirklich ausgeführter Auftrag führt zum Kauf!
Wenn du ein Kauflimit setzt, legst du fest, welchen Preis du pro Aktie maximal zahlen möchtest. Wenn es zu diesem Preis kein passendes Angebot gibt, wird dein Auftrag eventuell nicht ausgeführt.
Bei einer Market-Order setzt du kein solches Limit. Der Preis, zu dem der Kauf dann tatsächlich ausgeführt wird, kann also vom aktuell angezeigten Kurs abweichen.
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Musst du jeden Tag handeln?
Nein, ganz und gar nicht! Die Börse zu nutzen bedeutet nicht, ständig Aktien kaufen und verkaufen zu müssen.
Für eine langfristige Geldanlage sind ganz andere Fragen viel wichtiger: Warum möchtest du überhaupt investieren? Wie lange kannst du auf das Geld verzichten? Und welche Verluste könntest du finanziell und auch emotional verkraften?
Auch ein langfristiger Anlagehorizont beseitigt das Risiko nicht. Es ist keine Garantie.
Du kaufst eine Aktie, weil du glaubst, dass sie später mehr wert sein wird.
Wenn du viel handelst, musst du auch die wiederkehrenden Kosten im Blick behalten. Viel Aktivität ist nicht gleichbedeutend mit einer guten Strategie.
Aber was bedeutet das nun für eure Familienfinanzen?
Bevor du dein Geld investierst, solltest du dir klarmachen, wofür es gedacht ist. Die Rücklage für eine kaputte Waschmaschine, die nächste Autoreparatur oder laufende Ausgaben sollten nicht von den Aktienkursen abhängen. Wenn du in einer schwachen Börsenphase verkaufen musst, kann aus einem vorübergehenden Kursrückgang schnell ein realisierter Verlust werden.
Deshalb ist es wichtig, dass du erst einmal deine Einnahmen, Ausgaben, Verpflichtungen und Rücklagen sortierst. Das kannst du auf unserer Seite „Erste Schritte“ gut nachvollziehen.
Dann kannst du überlegen, welcher Betrag für längerfristige Ziele bleibt.
Ein weiterer Tipp: Streue dein Geld auf verschiedene Unternehmen. Wenn du alles auf eine Karte setzt und dieses Unternehmen Pleite macht, kann das übel ausgehen. Eine breitere Verteilung kann Risiken mindern. Ganz vermeiden lässt sich ein Marktrückgang oder Verluste aber trotzdem nicht.
Jetzt zu ETFs
Du weißt jetzt das Wichtigste:
Eine Aktie ist ein Stück von einem Unternehmen. An der Börse treffen Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinander. Der Kurs ist der Preis, zu dem gehandelt wird. Ein Depot zeigt dir deine Wertpapiere an und ein Broker ermöglicht dir den Handel.
Jetzt schauen wir uns an, wie ein ETF funktioniert und wie sich damit in viele Wertpapiere gleichzeitig investieren lässt, und worauf du dabei achten solltest.
Falls du schon ein Depot besitzt und die erhaltenen Dividenden dokumentieren möchtest, findest du dazu unseren Beitrag „Dividenden im Blick behalten: So hilft dir der Dividenden-Kompass“. Er enthält eine Vorstellung unserer Excel-Vorlage. Sie hilft dir bei der Übersicht und Planung. Die Entscheidung über Geldanlage bleibt allerdings dir überlassen.
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Grundlagen. Er kann somit keine persönliche Anlageempfehlung sein.
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Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsche Börse: So wird der Aktienpreis ermittelt
- Deutsche Börse: Anlageklasse Aktien
- BaFin: Einlagensicherung und Anlegerentschädigung
