Du möchtest Geld für dein Kind anlegen, aber weißt noch nicht, wie du am besten anfängst? Vielleicht legen die Großeltern regelmäßig etwas zur Seite. Oder du willst deinem Kind später den Führerschein, eine Ausbildung, ein Studium oder die erste Wohnung erleichtern. Dann brauchst du keinen komplizierten Finanzplan. Wichtig ist, dass die Geldanlage zum Ziel, zum Zeitraum und zu eurem Familienbudget passt.
In diesem Ratgeber vergleichen wir Tagesgeld, Festgeld und ETF-Sparpläne, erklären den Unterschied zwischen einem Kinderdepot und einem Depot auf deinen Namen und stellen zwei Wege vor: das comdirect Junior Depot für Selbstentscheider und OSKAR als digitale Vermögensverwaltung. Außerdem klären wir, welche Rolle die geplante Frühstartrente ab 2027 spielt – und warum sie kein Ersatz für alle Sparziele deiner Kinder ist.
Geld für Kinder anlegen: Das Wichtigste zuerst
- Lege zuerst fest, wann dein Kind das Geld voraussichtlich braucht: in zwei, zehn oder zwanzig Jahren?
- Für kurzfristige, verlässlich benötigte Beträge sind Tagesgeld und Festgeld oft geeigneter als ein Aktien-ETF.
- Für langfristige Ziele kann ein breit gestreuter ETF-Sparplan sinnvoll sein – er ist aber nicht sicher und kann auch nach vielen Jahren Verluste bringen.
- Entscheide bewusst, wem das Geld rechtlich gehören soll: dem Kind oder dir.
- Die geplante staatliche Frühstartrente dient der späteren Altersvorsorge und ist nicht für den Führerschein mit 18 gedacht.
Wofür sparst du eigentlich: Führerschein, Ausbildung oder Altersvorsorge?
„Für später“ klingt zunächst nach einem guten Plan. Für die Wahl der Geldanlage ist es aber zu ungenau. Wenn dein Kind in drei Jahren eine größere Summe für Ausbildung oder Führerschein benötigt, wäre ein starker Börsenrückgang genau zu diesem Zeitpunkt ein Problem. Sparst du dagegen für ein Neugeborenes bis zum Erwachsenenalter, hast du deutlich mehr Zeit, zwischenzeitliche Kursschwankungen auszuhalten.
Schreibe deshalb drei Dinge auf: Sparziel, frühester Entnahmezeitpunkt und monatlich tragbarer Betrag. Denk auch an eure eigenen Rücklagen. Geld, das ihr für Reparaturen oder laufende Ausgaben braucht, sollte nicht deshalb ins Kinderdepot wandern, weil die Börse gerade gut läuft.
Wenn du noch gar keinen Überblick über euer Budget hast, hilft dir unser Ratgeber Finanzielle Ziele für Familien planen bei den ersten Schritten.
Welche Geldanlagen gibt es für Kinder?
1. Tagesgeld: Flexibel für kurzfristige Ziele
Auf einem Tagesgeldkonto ist das Guthaben normalerweise täglich verfügbar. Der Zinssatz kann sich allerdings ändern. Bei Banken mit gesetzlicher Einlagensicherung sind Einlagen im Regelfall bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt. Das ist etwas anderes als der Schutz eines Wertpapierdepots. Prüfe außerdem, ob das jeweilige Bankangebot ein eigenes Minderjährigenkonto vorsieht und wer das Konto eröffnen darf.
2. Festgeld: Planbar für einen festgelegten Zeitraum
Festgeld bietet in der Regel einen vereinbarten Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit. Dafür kommst du während dieser Zeit häufig nicht oder nur eingeschränkt an das Geld. Es eignet sich eher für einen Betrag, den ihr voraussichtlich bis zu einem bekannten Zeitpunkt nicht braucht, und weniger als flexible Familienreserve.
3. ETF-Sparplan: Chancen und Schwankungen über viele Jahre
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Ein breit gestreuter Aktien-ETF kann in viele Unternehmen investieren, beispielsweise über verschiedene Länder und Branchen hinweg. Mit einem Sparplan kaufst du regelmäßig Anteile, statt jedes Mal selbst eine neue Kaufentscheidung zu treffen. Die Sparrate kann bei vielen Anbietern niedrig beginnen.
Breite Streuung kann einzelne Unternehmensrisiken reduzieren. Sie schützt jedoch nicht vor einer allgemeinen Börsenkrise. Aktien-ETFs können zeitweise stark im Wert fallen, und selbst eine lange Laufzeit garantiert keinen Gewinn. Informationen zu Kosten, Index, Fondsstruktur und Risiko findest du in unserem Grundlagenartikel Was ist ein ETF?.
4. Einzelaktien: Für ein Kinderdepot nicht automatisch besser
Vielleicht interessierst du dich selbst für Aktien und Dividenden. Für die Geldanlage deines Kindes musst du jedoch nicht auf einzelne Unternehmen setzen. Einzelaktien können deutlich stärker schwanken und erfordern mehr Beschäftigung. Wichtig ist nicht die Zahl der Positionen im Depot, sondern die tatsächliche Verteilung der Risiken.
Wie viel Geld solltest du monatlich für dein Kind zurücklegen?
Es gibt keine allgemeingültige ideale Sparrate. Für eine Familie können schon 25 Euro pro Monat eine gute, dauerhaft tragbare Lösung sein. Für eine andere sind 100 Euro problemlos möglich. Besser regelmäßig einen realistischen Betrag sparen, als mit zu viel zu starten und nach wenigen Monaten wieder abbrechen zu müssen.
Zur Orientierung, ohne Zinsen, Rendite oder Gebühren:
| Monatlich | Nach 10 Jahren | Nach 18 Jahren |
|---|---|---|
| 25 € | 3.000 € | 5.400 € |
| 50 € | 6.000 € | 10.800 € |
| 100 € | 12.000 € | 21.600 € |
Reine Einzahlungen als Rechenbeispiel, keine Renditeprognose. Bei einer tatsächlichen Wertpapieranlage können die späteren Werte auch darunter liegen.
Wenn Großeltern oder Paten etwas dazugeben möchten, kläre vorher, ob sie einfach auf ein Verrechnungskonto einzahlen können und wie Schenkungen dokumentiert werden sollen.
Kinderdepot auf den Namen des Kindes oder auf deinen Namen?
Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen. Ein Junior Depot auf den Namen des Kindes gehört rechtlich dem Kind. Eltern verwalten die Anlage während der Minderjährigkeit im Rahmen ihrer Sorgepflichten. Mit dem 18. Geburtstag erhält der Nachwuchs grundsätzlich selbst die Verfügungsberechtigung. Das Kind kann dann auch anders über das Geld entscheiden, als du es dir gewünscht hast.
Legst du das Geld dagegen auf deinen eigenen Namen an, bleibt das Vermögen zunächst dein Eigentum. Du entscheidest dann über Zeitpunkt und Umfang einer späteren Schenkung oder Übertragung. Dafür stehen dem Kind nicht einfach schon während der Ansparphase die eigenen steuerlichen Freibeträge für dieses Vermögen zur Verfügung.
Auch bei einem Kinderdepot sind Steuern kein Selbstläufer. Kapitalerträge, Freistellungsaufträge, mögliche Nichtveranlagungsbescheinigungen, BAföG und andere Sozialleistungen hängen vom Einzelfall und von den jeweils aktuellen Regeln ab. Übertrage nicht pauschal Zahlen aus Werbeseiten auf deine Familie.
comdirect Junior Depot: ETF-Sparplan selbst auswählen
Wenn du selbst entscheiden willst, welche Aktien oder ETFs ins Depot kommen, ist das Junior Depot von comdirect eine mögliche Lösung. Das Angebot sieht nach den aktuellen Angaben des Anbieters Sparpläne ab 1 Euro vor. Für reguläre Sparplanausführungen auf Aktien, ETFs und Zertifikate nennt comdirect 1,5 Prozent des Ordervolumens je Ausführung und Wertpapier; einzelne ETF-Aktionen können davon abweichen. Prüfe immer das Preis- und Leistungsverzeichnis und die ausgewählten ETFs.
Das Depot läuft auf den Namen des Kindes. Die Eröffnung übernehmen die Sorgeberechtigten; Familienmitglieder können anschließend unter den geltenden Bedingungen beim Sparen unterstützen. Für eine gemeinsame Entscheidung über die Geldanlage bietet das Depot mehr Eigenkontrolle als eine digitale Vermögensverwaltung – du trägst dafür selbst die Verantwortung für die Auswahl.
Wenn du verschiedene Depottypen, typische Gebühren und weitere Entscheidungskriterien vergleichen möchtest, lies auch unseren Depotratgeber: Welches Depot ist das richtige für mich?.
OSKAR: Geldanlage für Kinder verwalten lassen
Du möchtest einen langfristigen Sparplan einrichten, aber Fonds nicht selbst auswählen und das Portfolio nicht regelmäßig überprüfen? Dann kann eine digitale Vermögensverwaltung wie OSKAR eine Alternative sein. Bei OSKAR wird auf Grundlage deiner Angaben zur Risikobereitschaft und zu deinen Anlagezielen ein Portfolio zusammengestellt und laufend betreut.
OSKAR ermöglicht nach eigenen Angaben Lösungen im Namen des Kindes oder im eigenen Namen. Familienangehörige können das Sparziel unterstützen. Die Anlage ist kapitalmarktabhängig; ETFs und weitere eingesetzte Anlageprodukte können Verluste verursachen. Zusätzlich zu den Produktkosten fallen Entgelte für die Vermögensverwaltung und den Service an. Ob diese Bequemlichkeit den Aufpreis wert ist, musst du anhand der aktuellen Gesamtkosten entscheiden.
Wichtiger Unterschied: Ein gewöhnliches Junior Depot lässt dich selbst die ETF-Auswahl treffen. Bei OSKAR werden wesentliche Anlageentscheidungen innerhalb der vereinbarten Strategie verwaltet. Keines dieser Angebote ist automatisch ein staatlich zertifizierter Frühstartrenten-Vertrag.
Frühstartrente ab 2027: Was kommt vom Staat dazu?
Die Frühstartrente soll Kindern frühzeitig einen Einstieg in die zusätzliche private Altersvorsorge ermöglichen. Nach dem am 16. Oktober 2026 vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf ist eine staatliche Förderung von 10 Euro monatlich vorgesehen. Das Gesetzgebungsverfahren war zum Stand 1. November 2026 noch nicht vollständig abgeschlossen; Einzelheiten können sich deshalb ändern.
Nach den aktuellen Angaben der Deutschen Rentenversicherung sollen die ersten Auszahlungen 2027 starten. Zunächst sind die Geburtsjahrgänge 2020 und 2021 vorgesehen; in den Folgejahren sollen weitere jeweils sechs Jahre alt werdende Jahrgänge hinzukommen. Die Förderung soll grundsätzlich ohne gesonderten Antrag gewährt werden. Wenn Eltern keinen passenden individuellen Vertrag eröffnen, ist eine staatlich organisierte kollektive Anlage vorgesehen.
Was du unbedingt unterscheiden musst: Die Frühstartrente ist für die spätere Altersvorsorge gedacht. Gefördertes Vermögen soll grundsätzlich erst ab 65 Jahren auszahlbar sein. Ein klassisches Kinderdepot hingegen kann beispielsweise auch für Studium, Ausbildung oder Führerschein verwendet werden. Die Angebote von comdirect und OSKAR oben sind normale Anlageprodukte und werden hier ausdrücklich nicht als förderfähige Frühstartrenten-Verträge beworben.
Mehr zu Anspruch, Zeitplan und Altersgrenzen liest du in unserem ausführlichen Ratgeber zur Frühstartrente 2027. Für die aktuellen gesetzlichen Details empfehlen wir außerdem die Fragen und Antworten der Deutschen Rentenversicherung.
Welche Lösung passt zu deiner Familie? Drei Beispiele
Familie A: Das Kind braucht in drei Jahren Geld für den Führerschein
Hier ist die Planbarkeit wichtiger als die Renditechance. Tagesgeld oder ein passend befristetes Festgeld können besser zum Ziel passen als ein Aktien-ETF, dessen Wert kurz vor der Auszahlung plötzlich sinkt.
Familie B: Eltern möchten ab der Geburt langfristig 50 Euro pro Monat anlegen
Bei einem langen Anlagehorizont könnte ein breit gestreuter ETF-Sparplan eine Überlegung wert sein. Das Kinderdepot kann auf den Namen des Kindes laufen, wenn klar ist, dass das Geld ihm gehört. Die Eltern vergleichen ETF-Auswahl, Ausführungsgebühren, Depotsicherheit und ihren eigenen Aufwand.
Familie C: Großeltern möchten etwas schenken, Eltern haben wenig Zeit
Die Familie kann sich eine verwaltete Lösung ansehen, bei der die Portfolioauswahl nicht ständig selbst organisiert werden muss. Sie sollte allerdings Gebühren, Risikoprofil und rechtliche Eigentumsverhältnisse prüfen. Auch ein digital verwaltetes Portfolio ist keine Garantie für den späteren Wert.
Steuern, Sicherheit und Kosten: Was Eltern prüfen sollten
- Kontoguthaben: Die gesetzliche Einlagensicherung betrifft Bankeinlagen im Rahmen der geltenden Regeln – nicht Kursverluste von ETFs.
- Wertpapiere: Fondsanteile und andere Depotwerte unterliegen anderen Verwahr- und Schutzregeln. Ihr Marktpreis kann trotzdem sinken.
- Kosten: Vergleiche Depotgebühren, Sparplanausführungen, Fondskosten, Spreads und bei Robo-Advisors zusätzliche Verwaltungskosten.
- Steuern: Prüfe Freistellungsauftrag und die Zuordnung der Erträge zum tatsächlichen Eigentümer. Bei größeren Vermögen oder komplexen Familiensituationen kann fachliche Beratung sinnvoll sein.
- Volljährigkeit: Überlege vor der Einzahlung, ob dein Kind mit 18 frei über das Vermögen verfügen können soll.
So startest du Schritt für Schritt
- Definiere das Sparziel und den voraussichtlichen Entnahmezeitpunkt.
- Plane eine Sparrate, die zu eurem Familienbudget passt – ohne den Notgroschen anzutasten.
- Entscheide, ob das Guthaben deinem Kind oder zunächst dir gehören soll.
- Vergleiche für kurze Zeiträume Tages- und Festgeld; für lange Zeiträume gegebenenfalls breit gestreute ETFs.
- Vergleiche zwei bis drei Anbieter samt aktuellen Gesamtkosten, nicht nur Werbeaktionen.
- Starte mit einer kleinen tragbaren Rate, prüfe regelmäßig das Sparziel und erhöhe den Betrag nur bei Bedarf.
- Sprich mit deinem Kind altersgerecht über Sparen, Wünsche, Geduld und Risiko – das ist mindestens genauso wichtig wie die Depoteröffnung.
Häufige Fragen: Geld für Kinder anlegen
Ab wann kann ich Geld für ein Kind anlegen?
Grundsätzlich kannst du bereits ab der Geburt für dein Kind sparen. Welche Konto- oder Depotmodelle für Minderjährige verfügbar sind, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.
Was ist besser: Sparbuch, Tagesgeld oder ETF?
Für Geld, das in naher Zukunft sicher gebraucht wird, sind Bankeinlagen oft die passendere Lösung. Ein ETF bietet langfristige Chancen, kann aber stark schwanken. Es kommt auf das Ziel und den Zeitraum an.
Gehört das Junior Depot wirklich meinem Kind?
Ja, bei einem Depot auf den Namen des Kindes gehört das Vermögen grundsätzlich ihm. Die Sorgeberechtigten verwalten es bis zur Volljährigkeit im Rahmen ihrer gesetzlichen Pflichten.
Kann ich die 10 Euro Frühstartrente bei comdirect oder OSKAR beantragen?
Nein, nicht allein durch die Eröffnung eines normalen Junior Depots oder OSKAR-Kontos. Die staatliche Förderung ist an die gesetzlichen Voraussetzungen und die dafür vorgesehenen Anlagewege gebunden. Das Verfahren soll ohne eigenen Förderantrag funktionieren.
Kann ich für mein Enkelkind sparen?
Ja, Großeltern können Geld schenken oder nach den Bedingungen des jeweiligen Anbieters einzahlen. Ein Depot im Namen des minderjährigen Kindes müssen aber üblicherweise die Sorgeberechtigten eröffnen.
Fazit: Früh anfangen, aber zum richtigen Zweck
Wer Geld für Kinder anlegen möchte, braucht weder eine besonders hohe Sparrate noch einen komplizierten Finanzplan. Wichtig sind ein klares Ziel, passende Risiken und geringe, nachvollziehbare Kosten. Das comdirect Junior Depot eignet sich als prüfbares Beispiel für selbst gewählte Wertpapiere und Sparpläne; OSKAR ist eine Alternative für Eltern, die eine verwaltete Lösung bevorzugen. Die geplante Frühstartrente ist eine zusätzliche Altersvorsorge-Komponente – aber kein frei verfügbares Sparpolster zum 18. Geburtstag.
Unser Rat: Behalte erst eure Familienfinanzen im Blick, spare dann kontinuierlich für dein Kind und besprecht gemeinsam, was Geld für dessen Zukunft ermöglichen soll.
Quellen und weiterführende Informationen
- comdirect: Junior Depot und Preisübersicht
- OSKAR: Geldanlage für Kinder
- Deutsche Rentenversicherung: FAQ zur Frühstartrente
- Bundesfinanzministerium: Frühstartrente
Stand: 1. November 2026. Anbieterangebote, Gebühren und gesetzliche Einzelheiten können sich ändern. Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen, keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.








